Der lange Abschied

Der lange Abschied c Daniel Sadrowski 1953
Der lange Abschied c Daniel Sadrowski 1857
Der lange Abschied  c Daniel Sadrowski 2000

Während die Präparation von Tieren, das sogenannte „Ausstopfen“, in naturkundlichen Dioramen dazu beiträgt, sowohl die Tierwelt ferner Länder als auch die heimische Fauna erfahrbar zu machen, dient sie im Privaten auch als eine Form der Trauerbewältigung und Erinnerungskultur: Ein Versuch, kunstvoll die Leerstelle zu füllen, die der Tod lieb gewonnener Haus- und Schoßtiere hinterlässt.

In der audiovisuellen Installation Der lange Abschied beschäftigen sich die beiden Künstler*innen Alisa Hecke und Julian Rauter mit der Praxis der Taxidermie. In einem ehemaligen 1950er-Jahre-Pavillon in Gelsenkirchen entwirft das Duo gemeinsam mit dem Szenographen Franz Thöricht einen Andachts- und Erinnerungsraum. Für ihr Projekt recherchierten sie an prägnanten Orten der Präparationsgeschichte im Ruhrgebiet. Die Installation verwebt das traditionsreiche Bochumer Gasthaus Zur Uhle, einst bekannt für seine große zoologische Sammlung, die Berufsfachschule am Walter-Gropius-Berufs-kolleg in Bochum sowie eine Präparationswerkstatt erzählerisch und atmosphärisch miteinander.

In ein Präparat schreibt sich immer auch die sich wandelnde Beziehung des Menschen zum Tier ein und ebenso die Art, wie es erinnert werden soll. Nicht zuletzt besteht beim Präparieren von Haustieren die Herausforderung vor allem darin, die tierischen Begleiter in möglichst vertrauter Haltung zu formen, ohne dass das Tier zum häuslichen Schreckgespenst mit Glasaugen wird. In Zeiten des vermehrten Artensterbens verkörpert ein Präparat nicht nur den Verlust eines einzelnen Tieres, sondern mitunter auch den einer ganzen Spezies. Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass jedes vierte Säugetier bald für immer von der Erde verschwinden könnte. Neben der Ausbeutung durch den Menschen und der Zerstörung der Lebenswelten durch oder für die Landwirtschaft, ist der Klimawandel die drittgrößten Ursache für das Artensterben.


Information

Aufgrund der anhaltenden pandemischen Lage und der aktuell geltenden Corona-Schutzverordnung können die Kunststandorte des Ruhr Ding: Klima nicht wie geplant eröffnen. Wir informieren hier sowie auf all unseren Kommunikationskanälen, sobald sich die Situation ändert.


Eintritt

Der Eintritt ist frei.


Öffnungszeiten

Temporär geschlossen


Adresse

Pavillon an der Bokermühlstraße
Bokermühlstraße 67
45879 Gelsenkirchen


Anfahrt

Die Installation ist in einem Pavillon aus den 1950er-Jahren beheimatet. Vom Gelsenkirchener Hauptbahnhof sind es nur 12 Minuten zu Fuß oder weniger per Rad zum Standort. Mit dem ÖPNV ist der Pavillon über die Linien 302 (Bahn) und 389 (Bus) zu erreichen.

Hecke / Rauter / Thöricht Künstler*in ©

Hecke/Rauter/Thöricht

Seit mehreren Jahren beschäftigt sich das Duo Hecke/Rauter, bestehend aus Alisa Hecke und Julian Rauter, in Installationen, Langzeit-Performances und Theaterinszenierungen mit Tierpräparationen.